Kirche auf Marli. Gemeinsam auf dem Weg zur Fusion

"Das einzig Beständige ist die Veränderung"

»Das einzig Beständige ist die Veränderung.« Diese Feststellung des Philosophen Heraklit von Ephesus (ca. 540–475 v.Chr.) hat auch nach über 2500 Jahren, nachdem sie zum ersten Mal gedacht bzw. geäußert und aufgeschrieben worden ist, nichts von ihrer tiefen Wahrheit verloren. Diese Beschreibung gilt für die Welt und für das Leben. Und sie gilt auch für die Kirche, die in der Welt ein Zuhause hat und sich mitten im Leben selbst verortet – im Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. Für uns als evangelische Christinnen und Christen gehört diese Erkenntnis, dass die Kirche sich notwendiger Weise immer wieder verändern und wandeln muss, sogar zum Kern unseres Selbstverständnisses. »Ecclesia semper reformanda.« So wurde dieses Anliegen aus der Zeit der Reformation in lateinischer Sprache einmal auf den Punkt gebracht. »Die Kirche muss immer reformiert – d.h. verändert, angepasst, aktualisiert – werden« – will sie ihrem Auftrag gerecht bleiben.
Ein anderes stimmt aber auch: Wir Menschen scheuen die Veränderung – denn sie bedeutet Unsicherheit. Das geht denjenigen, die sich in den Kirchen engagieren – mit Lust und Leidenschaft, ehren-, neben- und hauptamtlich – nicht anders als allen anderen. Und doch ist es mittlerweile unübersehbar, dass die Notwendigkeit zu großen grundlegenden Veränderungen innerhalb unserer Kirche – nicht zuletzt beschleunigt durch die weltweite pandemische Krisenlage – bereits in der Gegenwart eine Herausforderung darstellt, der wir jetzt klug, mutig und entschlossen begegnen müssen.

Der Prozess "Kirche 2030"

Im Rahmen des sog. Prozesses »Kirche 2030« haben sich im gesamten Ev.-Luth. Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg benachbarte Kirchengemeinden zu insgesamt 12 Regionen zusammengeschlossen – 6 Regionen in der Propstei Lübeck, 6 in der Propstei Lauenburg (eine Übersicht über alle Regionen im Kirchenkreis finden Sie hier). In einer solchen Region stehen die jeweiligen Gemeinden in einer ganz besonderen Verantwortung füreinander und damit für das kirchliche Leben in der jeweiligen Region. Mehr und mehr wird es darum gehen, angesichts sich verringernder Ressourcen das kirchliche Leben in der jeweiligen Region gemeinsam zu organisieren und zu verantworten. So ist es zum einen der Einbruch an Finanzmitteln, der durch das Mittel der Kooperation aufgefangen werden muss. Hierzu ein konkretes Beispiel: So ist auf der letzten Synode die Finanzzuweisung an die jeweiligen Gemeinden drastisch reduziert worden. Von 41 € pro Gemeindeglied, die die Gemeinden im letzten Jahr zur Verfügung hatten, erfolgt nun eine Absenkung auf zunächst 35 € pro Gemeindeglied. Dem Grunde nach wäre bereits jetzt eine noch stärkere Absenkung der Zuweisung notwendig, diese wird jetzt aber durch die Entnahme von Rücklagen zunächst abgemildert.
Zum anderen haben wir als Kirche auch mit einem drastischen Rückgang an Pastor:innen in den nächsten Jahren umzugehen. Hintergrund ist die allgemeine demographische Entwicklung in der Gesellschaft: Die Generation der geburtenstarken Jahrgänge erreicht in den nächsten Jahren das Ruhestandsalter. Die Folgen betreffen nahezu alle Berufsgruppen – in der freien Wirtschaft ebenso wie in staatlichen Institutionen und Kirchen. Auch die Nordkirche ist betroffen: Zwischen den Jahren 2020 und 2030 werden voraussichtlich etwa 900 von 1.700 Pastorinnen und Pastoren in den Ruhestand eintreten. Im selben Zeitraum werden nur etwa 300 Pastor:innen in den Dienst aufgenommen werden können. Die Zahl der im Dienst befindlichen Pastorinnen und Pastoren wird von heute etwa 1.700 auf ca. 1.100 im Jahr 2030 absinken. Um mit dieser Veränderung umzugehen, hat die Synode der Nordkirche im März 2019 das sog. »Personalplanungsförderungsgesetz« verabschiedet, das die Reduzierung der Pfarrstellen um ca. 40 % bis zum Jahr 2030 (nordkirchenweit) regelt. (Das "Personalplanungsförderungsgesetz" finden Sie hier.)

Die Region "Lübeck-Ost" - eine von 6 Regionen in der Propstei Lübeck

Die Kirchengemeinden Auferstehung und St. Thomas gehören zur sog. Region »Lübeck-Ost«, die sich aus insgesamt sieben Gemeinden zusammensetzt. Von Norden aus im Uhrzeigersinn sind dies: St. Andreas (Schlutup), St. Philippus, St. Christophorus, St. Thomas, Auferstehung, St. Gertrud und St. Stephanus.
Für unsere Region Lübeck-Ost bedeutet die Umsetzung des Personalplanungsförderungsgesetzes, dass wir mit einer voraussichtlichen Reduzierung von derzeit 7,75 Pfarrstellen auf dann 4,0 Pfarrstellen bis zum Jahr 2030 auszugehen haben. Das bedeutet auch, dass nicht mehr alle sieben Gemeinden unserer Region mittel- und langfristig mit einem eigenen Pastor bzw. einer eigenen Pastorin ausgestattet sein werden.
Auf der Ebene der sieben Gemeinden in der Region Lübeck-Ost sind wir bereits seit vielen Jahren in gutem geschwisterlichen Austausch miteinander auf dem Weg. Seit nunmehr 1 ½ Jahren hat sich dieser Prozess stetig intensiviert, um die kirchliche Arbeit angesichts der weiter oben genannten Herausforderungen auch in Zukunft weiter verantwortungsvoll und solidarisch zu gestalten. Innerhalb dieses Siebener-Verbunds gibt es seit dem vergangenen Jahr nun einige Gemeinden, die für sich erkannt haben, dass das Mittel der Kooperation vermutlich nicht ausreichen wird, um die sich in Zukunft stellenden Herausforderungen und Aufgaben hinreichend meistern zu können.

Angestrebte Fusion der Kirchengemeinden Auferstehung, St. Philippus und St. Thomas

Nach Phasen intensiver Sondierungsgespräche im Jahr 2020 haben nun die Auferstehungs-Kirchengemeinde, die Kirchengemeinde St. Philippus und die Kirchengemeinde St. Thomas zu Jahresbeginn 2021 jeweils gleichlautend beschlossen, sich miteinander auf den Weg zu einer Fusion zu machen. Das bedeutet konkret: die drei bislang eigenständigen Kirchengemeinden schließen sich zu einer großen, neuen Kirchengemeinde zusammen. Diese Fusion wird zeitnah angestrebt – bis zum 31.12.2021 soll sie abgeschlossen sein, damit die planmäßig anstehende nächste Kirchengemeinderatswahl im November 2022 bereits gemeinsam erfolgen kann.

Wie läuft der Fusionsprozess ab?

Diese sehr konkreten Fusionsgespräche wurden nun im Laufe des ersten Quartal 2021 aufgenommen – mit dem Ziel, im Juni 2021 einen Fusionsbeschluss herbeizuführen. Das Fusionsteam setzt sich dabei aus jeweils zwei Vertreter:innen je Gemeinde zusammen. Diese unterrichten während des Prozesses ihren jeweiligen Kirchengemeinderat zeitnah über die besprochenen Inhalte und sorgen dafür, dass der Kirchengemeinderat die notwendigen Beschlüsse fasst. Vor dem Fusionsbeschluss ist zudem in jeder der drei Kirchengemeinden eine Gemeindeversammlung durchzuführen, um die Gemeinden vor dem Fusionsbeschluss über den geplanten Inhalt zu informieren.
Die drei Kirchengemeinden haben sich darauf verständigt, im Rahmen der Fusion zunächst nur die »Mindestanforderungen« für einen Zusammenschluss zu klären. Dies sind:
1. Die Aufzählung der an der Fusion beteiligten Gemeinden und
2. der Name der fusionierten (und damit: neuen) Kirchengemeinde.
Weiterhin sind
3. das genaue Datum der Fusion sowie
4. ein neues Gemeindesiegel – welches auch vorläufig sein kann – festzulegen.
Der Sitz der neuen Kirchengemeinde (5.) – das heißt: die konkrete Postadresse –, eine Aussage zur Vermögensauseinandersetzung (6.), Anzahl und Ort der Pfarrsitze  (7.) sowie die Größe des neuen Kirchengemeinderats (8.) gehören darüber hinaus zu den im Vorfeld zu klärenden Punkten.
Erst wenn die Fusion abgeschlossen ist, wird die dann neue Gemeinde über die Nutzung der Gebäude und die zur Verfügung stehenden gemeinsamen finanziellen Mittel aber auch das vorhandene Vermögen (Gebäude und Grundstücke) gemeinsam beraten. Die für den Erhalt der Gebäude in der jeweiligen Gemeinde angesparten Mittel bleiben dabei auch nach einer Fusion diesen Gebäuden zugeordnet. Sinnvollerweise wird sich die dann fusionierte Gemeinde Gedanken darüber machen, wie die weitere mittel- und langfristige Nutzung der jeweiligen Gebäude (ggf. auch im Sinne einer Umnutzung) entwickelt werden kann.
Nach der Fusion wird sich also zunächst  kurzfristig nur manches wenige ändern. An den Neuerungen werden wir dann gemeinsam miteinander arbeiten, doch auch hier gilt, dass wir ja bereits jetzt schon miteinander auf einem guten gemeinsamen Weg sind, der Neues entstehen lässt – und der nach und nach weitere Kräfte freisetzen wird.

 

Von welchem Geist wir uns tragen lassen

Zu Beginn der pandemischen Krisenlage im Frühjahr 2020 wurde uns als Kirche fast über Nacht ein Vers aus dem 2. Timotheusbrief ganz besonders bedeutsam: »Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.« (2. Tim 1,7) Dieses Wort soll uns auch in der kommenden Zeit begleiten.
Wir drei Gemeinden halten das Vorhaben einer Fusion für äußert sinnvoll und für das geeignete Mittel, auch in Zukunft hier auf Marli lebendige Kirche für die Menschen in unserem Stadtteil zu sein. Was es nun in diesen Wochen braucht, ist Kraft und Mut – und Liebe und Besonnenheit.
»Das einzig Beständige ist die Veränderung.« Das stimmt, aber es stimmt nicht ausschließlich.
Beständig sind auch Gottes Wort und Gottes Geist – die uns bei allem, was nun auf uns an herausfordernden und mutigen Entscheidungen zukommt, leiten und beflügeln soll.

Pastor Arne Kutsche

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